Geschichte der Medizin in Göttingen
Studierende erkunden ihre Universitätsstadt

  • Warum heißt die Straße vor dem Klinikum Robert-Koch-Straße?
  • Warum verleiht die Medizinische Fakultät die Jacob Henle-Medaille?
  • Warum ist das heutige musikwissenschaftliche Institut eigentlich ein weltbekanntes klinisches Gebäude?



In Göttingen haben im Laufe der letzten 250 Jahre eine Reihe berühmter Mediziner ihre Spuren hinterlassen. Sie haben das Stadtbild geprägt: mit dem berühmten Accouchierhaus an der Kurze-Geismarstraße, dem alten Operationssaal auf dem ehemaligen Klinikumsgelände oder dem botanischen Garten.

In einem Seminar zur Geschichte der Medizin haben Studierende unter Anleitung von Prof. Dr. Claudia Wiesemann eine Homepage mit Bildern und Geschichten aus der Göttinger Medizin entwickelt, die hier ins Netz gestellt wird. Sie haben selbst vor Ort recherchiert, die Lebens- und Arbeitsbedingungen herausragender Ärztinnen und Ärzte und ihrer Patienten kennen gelernt und so einen Einblick in die Geschichte der Medizin der Neuzeit gewonnen.






Biographie Jacob Henle

Jeder Medizinstudent und jeder Arzt kennt die „Henlesche Schleife“ . Dabei handelt es sich um ein System des Körpers, welches die Urinzusammensetzung im Nierensystem des Körpers beeinflusst. Aber wer war dieser Entdecker der „Henleschen Schleife“ und welcher Zusammenhang besteht zwischen ihm und der Stadt Göttingen? ...


Entwicklung des Frauenstudiums in Göttingen

Das Frauenstudium in Göttingen hatte einen beschwerlichen Weg. Bis zum 19. Jahrhundert konnten nur vereinzelt Frauen studieren. Durch die aufkommende Frauenbewegung und Vorbilder in anderen Ländern wurde trotz des Widerstands vieler Professoren in Göttingen den Frauen 1908 das Studium als Vollimmatrikulierte erlaubt...

Das Protokoll des akademischen Eides, den Dorothea Schlözer anlässlich ihrer Ehrenpromotion am 27. August 1787



Die Entwicklung der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen von einem Wirtshaus zu einem Klinikum

Das Göttinger Klinikum hat seinen Ursprung in einem Wirtshaus. Dieses Gebäude teilten sich drei Fachgebiete und legten somit den Grundstein für ein akademisches Krankenhaus. Es war der Vorläufer der heutigen Universitätsklinik...


Charlotte Heidenreich von Siebold

Was hat Charlotte Heidenreich von Siebold mit Göttingen zu tun? Dies ist eine berechtigte Frage, denn in der Tat hat sie nicht so viel Einfluss auf die Göttinger Medizingeschichte wie manch andere Persönlichkeiten gehabt und dennoch schmücken sich die Göttinger mir ihrem Namen. Denn sie war die erste weibliche Studentin, die an der Universität Göttingen Geburtshilfe studieren durfte. Und sie kritisierte ihren Lehrer Osiander, einen bekannten Mediziner und Geburtshelfer Göttingens öffentlich in ihrer Dissertation über seinen Gebrauch von Zangen während Geburten. Außerdem sagt man, dass sie die erste deutsche Frauenärztin gewesen sei.



Albrecht von Haller (1708 – 1777)

Die Anfänge der Universität Göttingen sind untrennbar mit dem Namen Albrecht von Hallers verbunden. Während seines siebzehnjährigen Aufenthaltes in Göttingen legte er den Grundstein für ein modernes Medizinstudium im Sinne der Aufklärung. Zudem war von Hallers wissenschaftliche Arbeit in den Bereichen der Physiologie und Anatomie von herausragender Bedeutung. Noch heute begegnet einem der Name von Haller im Rahmen der Universität, so ist zum Beispiel das „Albrecht von Haller Institut für Pflanzenwissenschaften“ nach ihm benannt, und regelmäßig vergibt die Universität die Albrecht von Haller-Medaille an Personen, die sich in besonderem Maße um die medizinische Fakultät verdient gemacht haben...




Biographie von Eduard Carl Kasper Jakob Joseph von Siebold

Eduard von Siebold lehrte von 1833 bis 1861 als Professor der Geburtshilfe an der Universität Göttingen. Er vertrat in seinen Lehren die Auffassung von der Natürlichen Geburt und wendete sich von der Methode der Zangengeburt ab. In Göttingen stellte er eine beeindruckende Sammlung von anatomischen Objekten und Lehrobjekten zur Geburtshilfe zusammen.


Conrad Johann Martin Langenbeck

Eine wichtige Persönlichkeit der Göttinger Medizingeschichte war der Anfang des 19. Jahrhunderts lebende Chirurg Conrad Johann Martin Langenbeck. Diese bewegte Zeit der großen Politik in Westeuropa mit zahlreichen Kriegen, Friedenschlüssen und Umstrukturierungen der Herrschaftsmächte sollte das Leben aller tiefgreifend beeinflussen. Das Hannoversche Königshaus war Langenbeck wohl gesonnen. Er legte einen wichtigen Grundstein auf dem Gebiet der Anatomie und Chirurgie in der modernen Welt...




Studentisches Leben in Göttingen

Was heißt es denn eigentlich Student zu sein? Heute hört man von vielen die Zeit des Studiums sei die schönste Zeit ihres Lebens gewesen. Doch was ist denn das Besondere an dieser Zeit? Was unterscheidet sie von den anderen Abschnitten unseres Lebens? Wieso entstehen gerade in dieser Zeit viele Freundschaften, die ein ganzes Leben lang halten? Heute ist es vor allem eine Zeit, in der man selber erwachsen wird. Es ist der Anfang des eigenen Lebens. Die meisten von uns sind von Zuhause ausgezogen in die Welt, um frei zu sein, sich selber zu finden und den eigenen Zielen nachzujagen. Es ist eine Zeit voller Spannung, Aufregung, Herausforderungen, aber auch eine Zeit, in der man viele neue Freunde findet, Partys feiert und das Leben in vollen Zügen genießen kann. Doch es war nicht immer schon so.


Wer war eigentlich Robert Koch?

Wer war eigentlich Robert Koch? Tagtäglich treten die nach ihm benannte Straße Studenten, Patienten und Ärzte auf dem Weg ins Klinikum mit Füßen, aber nur die wenigsten wissen, wer er überhaupt war. Dabei hat dieser besagte Robert Koch das ganz und gar nicht verdient, ganz im Gegenteil, ist er doch der Begründer der modernen Bakteriologie, und seine Neugier für diesen Themenbereich wurde hier in Göttingen geweckt...




Die erste akademische Geburtsklinik Deutschlands

Als am 28. Juni 1751 Georg II., König von Großbritannien und Kurfürst von Hannover den Arzt Johann Georg Roederer (1726 – 1763) zum Professor für Geburtshilfe berief, wurde der Grundbaustein für die erste Universitäts-Frauenklinik Deutschlands gesetzt. Rasch setzte Roederer seinen Auftrag um und wählte als Lehranstalt das 1390 gegründete und mittlerweile alte baufällige Armenhospital St. Crucius am Geismartor im Süden der Stadt (zwischen Wall und Hospitalstraße) (siehe Abbildung 1). In diesem Fachwerkhaus wurden ein Entbindungsraum, ein Zimmer zum Aufenthalt der Schwangeren und eine Stube für die Wärterin der Anstalt eingerichtet, welche ab sofort als Accouchierhaus (französisch: „accoucher“ – „entbinden“) unter Roederers Leitung dienen sollten...


Die Patientinnen des Accouchierhauses

Das Göttinger Accouchierhaus war das erste akademische Geburtshaus in Deutschland. Zur Ausbildung von Hebammen und Medizinstudenten benötigte man Patientinnen, die sich freiwillig zur Entbindung zur Verfügung stellten. So versuchte man vor allem arme, unverheiratete Schwangere zu locken, indem man ihnen einen kostenlosen Aufenthalt und Verpflegung im Accouchierhaus bot...



Zwangsarbeit während der NS-Zeit in der Medizin am Bespiel Göttingen

Die Tatsache, dass während der Zeit des Nationalsozialismus Menschen aus den von Deutschland besetzten oder abhängigen Gebieten Europas als Teil des nationalsozialistischen Programms zur „totalen Mobilisierung von Arbeit“ verschleppt und ausgebeutet worden sind, ist hinlänglich bekannt. Aber nicht nur in Konzentrationslagern wie Buchenwald oder Auschwitz oder in der Industrie wie bei der IG Farben, sondern auch, wie vielen Menschen gar nicht bekannt, im Gesundheitswesen wurden Menschen, teilweise unter katastrophalen Umständen, zur Arbeit gezwungen. So leider auch in Göttingen...




Der Alte Botanische Garten und sein Gründer Albrecht von Haller als Botaniker

Einer der schönsten Orte in Göttingen ist der botanische Garten. Mit seinen diversen Sitzgelegenheiten bietet er ideale Rückzugsmöglichkeiten, um tagsüber ein wenig zu entspannen. Den Garten umgibt eine besondere Atmosphäre, die noch bestärkt wird, wenn man sich mit der interessanten Entstehungsgeschichte beschäftigt, in der Albrecht von Haller eine erhebliche Rolle gespielt hat...


Geschichte der Psychiatrie in Göttingen

Die Königliche Landesirrenanstalt zu Göttingen wurde 1866 von König Georg V. gegründet. Sie diente der Versorgung von psychisch erkrankten Patienten aus dem südlichen Teil des Landkreises Hannover und war als Lehrkrankenhaus der Universität Göttingen angeschlossen. Der 39-jährige Nervenarzt Ludwig Meyer wurde 1866 als erster Professor berufen und übernahm die Leitung der Anstalt...




Der Psychiater Gottfried Ewald (1888 – 1963) und das Euthanasieprogramm des Nationalsozialismus

Professor Dr. Gottfried Ewald (1888 – 1963) war einer der wenigen deutschen Ärzte, die sich während der Zeit des Nationalsozialismus öffentlich gegen die Euthanasie von psychisch Kranken äußerten. Dennoch ist er nicht der Gegner des NS-Regime, als der er oft dargestellt wird, sondern als Arzt zu sehen, der sich im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten für seine Patienten eingesetzt hat...


Bedeutung und Entwicklung des Göttinger Promotionseides

Der Göttinger Promotionseid war in den Statuten der Medizinischen Fakultät, unterzeichnet am 08. August 1737, enthalten und hatte bis 1889 Bestand. Er war von allen Medizinern zu leisten, die in Göttingen promoviert wurden; für die anderen Fakultäten gab es entsprechende Eide. Der ursprüngliche Verfasser ist nicht bekannt. Es wird aber vermutet, dass es sich bei den Autoren um die zur Entstehungszeit in Göttingen lehrenden Professoren Albrecht von Haller (*1708 -†1777), Georg Gottlob Richter (*1694 -†1773) und Johann Andreas von Segner (*1704 -†1777) handelt, die die Statuten der Medizinischen Fakultät unterschrieben haben...




Robert Koch (1843 – 1910)

Der am 11. Dezember 1843 in Clausthal-Zellerfeld (Harz) geborene Heinrich Hermann Robert Koch gilt als Begründer der Bakteriologie und hat damit wie kaum ein anderer deutscher Arzt die moderne Medizin geprägt. Dass die Grundlagen dafür in Göttingen gelegt wurden, ist dabei von fundamentaler Bedeutung.


Zwangsarbeiter an der Universität Göttingen

Im nationalsozialistischen Deutschland wurden ab 1939, besonders aber ab 1942, zur Sicherung der Produktion Millionen von Menschen (im August 1944: 7,65 Millionen) nach Deutschland gebracht. Sie kamen vor allem aus den besetzten Gebieten und wurden als „Fremdarbeiter“ bezeichnet. Die „Ostarbeiter“ stammten z.B. aus den Gebieten der damaligen Sowjetunion, Polen und Tschechien und die sog. „Westarbeiter“ z.B aus Frankreich, Holland und Italien. Außerdem wurden Häftlinge aus den Konzentrationslagern zur Zwangsarbeit herangezogen. Nahezu alle bekannten deutschen Großunternehmen setzten Zwangsarbeiter ein, eine große Zahl wurde auch in der Landwirtschaft beschäftigt...



Das Göttinger Accouchierhaus

Ein Gebäude mit „Dreifachfunktion“?
Das Göttinger Accouchierhaus (franz. von accoucher = niederkommen/entbinden), in dem mittellose Frauen seit 1791 unter ärztlicher Aufsicht und unter hygienischen Bedingungen ihre Kinder zur Welt bringen konnten, hatte neben dieser „fürsorglichen“ Funktion auch das Ziel der Forschung und Perfektionierung der Geburtshilfe. Außerdem wurde die Ausbildung von Studenten und Hebammen in Gynäkologie und Geburtshilfe in dieser ersten akademischen Entbindungsklinik groß geschrieben...




Biographie Jacob Henle

Friedrich Gustav Jacob Henle war wegen seiner Entdeckungen und seiner besonderen Art des Lehrens einer der bedeutensten Mediziner und Anatomen seiner Zeit. Er revolutionierte die Medizin in vielen Bereichen und trug zum medizinischen Fortschritt bei. Er lehrte an unterschiedlichen Universitäten, die längste Zeit seines Lebens aber in Göttingen.
Jacob Henle wurde am 19. Juli 1809 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Fürth geboren. Seine Eltern ließen ihn in mehreren Sprachen unterrichten, unter anderem in Französisch, Englisch, Italienisch und Dänisch...


Gottfried Ewald

Am 1. September 1939 erweiterte Adolf Hitler „die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so […], dass nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischer Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann.“ Dieser als „Euthanasiebefehl“ bezeichnete Erlaß war der Auftakt zu einer Massenvernichtungsaktion, gegen die sich nur wenige deutsche Ärzte wehrten. Gottfried Ewald war einer von ihnen...




Die neue Chirurgische Klinik zwischen Goßlerstraße und Humboldtallee (1889-1891)

Göttingen war schon von je her eine Stadt der Studierenden, der Medizin und der Forschung. Dieser Bericht soll einen kleinen Einblick in die Entwicklung der Klinikbauten, vor allem der Chirurgie und deren Weiterentwicklung sowie den daran beteiligten Personen geben.
Im Jahre 1890 wurde die Chirurgische Klinik als erste der neuen Klinikbauten fertig gestellt. Das heute dort untergebrachte „Theater im OP“ ist noch immer ein Ort des Lehrens und Lernens...


Göttingens Medizin-Nobelpreisträger: Bert Sakmann & Erwin Neher

Eine chronologische Aufarbeitung Bert Sakmanns und Erwin Nehers persönlicher wie professioneller Werdegänge. Neher und Sakmann erhielten 1991 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin für ihre gemeinsame Forschung am Göttinger Max-Planck-Institut an Ionenkanälen. Die Entwicklung der Patch-Clamp-Technik trug maßgeblich dazu bei...




Die Geschichte der Universitätskliniken Göttingens

Die Medizin hat als eines der Gründungsfächer der Universität eine lange Tradition in Göttingen und sollte von Beginn an wissenschaftlich basiert sein. Diese Ausrichtung hat die Universität zwei berühmten Männern zu verdanken, nämlich Gerlach Adolph von Münchhausen und Paul Gottlieb v. Werlhof. Sie verfassten ein Gutachten über die Einrichtung der medizinischen Fakultät, die nach ihrer Ansicht auf fünf Grundlagen basieren müsse...


Die Geschichte der Chirurgie in Göttingen
- Von den Anfängen bis zum Jahr 1945 -

Zur Zeit der Gründung der Georg–August–Universität Göttingen 1734 wurde an keiner deutschen Universität praktische Chirurgie gelehrt. Die Lehre bestand meist nur aus theoretischen Vorlesungen und vereinzelten Demonstrationen klassischer Operations-verfahren an Leichen.
Der Chirurg war zu dieser Zeit noch kein studierter Mediziner. Er erhielt seine Ausbildung in der Regel bei einem Barbier, Bader oder Wundarzt. Auch Henker hatten gute anatomische Kenntnisse und konnten so kleine chirurgische Eingriffe vornehmen...

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