Prof. Dr. Claudia Wiesemann, Direktorin der Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen, ist von Bundestagspräsident Norbert Lammert in den Deutschen Ethikrat berufen worden. Der Deutsche Ethikrat berät Regierung und Parlament in ethischen Konfliktfällen. Die Amtszeit beträgt vier Jahre. „Wir freuen uns über diese Anerkennung. Sie würdigt die wissenschaftlichen Leistungen und besonders den Einsatz von Prof. Wiesemann für einen offenen, fairen und menschennahen Dialog zu kontroversen Themen von Medizin und Wissenschaft.“, sagt Prof. Dr. Michael Schön, stellvertretender Dekan der Medizinischen Fakultät Göttingen und kommissarischer Vorstand Forschung und Lehre der Universitätsmedizin Göttingen.
Claudia Wiesemann wurde 1998 an die Universität Göttingen auf eine der ersten Professuren für Medizinethik in Deutschland berufen. Damit kommt dem Land Niedersachen und der Universität Göttingen bei der Förderung dieses noch jungen, doch zunehmend an Bedeutung gewinnenden Fachs eine Pionierstellung zu. Prof. Wiesemann leitet seitdem die Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen.
Prof. Wiesemann ist ausgebildete Ärztin, hat außerdem Philosophie und Geschichte studiert und wurde in Medizingeschichte an der Universität Münster promoviert. Schon als wissenschaftliche Assistentin an der Universität Erlangen-Nürnberg setzte sie sich für das damals in Deutschland noch nahezu unbekannte Fach Medizinethik ein.
Prof. Dr. Claudia Wiesemann ist Präsidentin der deutschen wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Medizin, der Akademie für Ethik in der Medizin, und Mitglied der Zentralen Ethikkommission der Bundesärztekammer. Bis 2010 war sie Mitglied der Zentralen Ethikkommission für Stammzellenforschung. In ihrer Forschung befasst sie sich unter anderem mit kontroversen Fragen der Fortpflanzungsmedizin oder der Organtransplantation. Zurzeit leitet sie eine Forschergruppe an der Universität Göttingen zum Thema "Autonomie und Vertrauen in der modernen Medizin", gefördert durch die Volkswagen-Stiftung.
In ihrer Arbeit setzt sie sich besonders für undogmatische und lebensnahe Lösungen von Konflikten ein und stellt dabei die Förderung guter menschlicher Beziehungen in den Mittelpunkt. Aktuell arbeitet sie an einem Buch über die moralische Stellung des Kindes in der Medizin.